"Gehörtes und Unerhörtes für Stimmen und Klavier" - so lautet der Untertitel für das diesjährige Bibliothekskonzert mit dem Stuttgarter Ensemble EXVOCO am 27. September 2011 um 19 Uhr im Landesbibliothekszentrum in Speyer. Der Eintritt ist frei, dank der freundlichen Unterstützung der Firma SCHULZ SPEYER Bibliothekstechnik AG.
"Alles war gekonnt, bizarrer Phantasie übervoll und amüsant in jeder Sekunde. Es war ein Riesenerfolg." So schrieb schon früh die FAZ über ein Lautspektakel EXVOCO bei den Berliner Festwochen. Die Hymne verfasste der Musik-Kritiker Hans Heinz Stuckenschmidt, der in den Zwanzigern als Musik-Dada II selbst die Szene belebte. Zum Konzert für Hugo Ball zaubert nun der Pianist eine Kapriole von ihm auf die Tasten: "Expression violett".
Mit Hugo Ball war das Zürcher Cabaret Voltaire der Geburtsort des Dada - mit genialen poetischen, musikalischen und szenischen Aufbrüchen. Die innovative Kraft wird spürbar, wenn EXVOCO mit der an aktueller Musik geschulten Virtuosität loslegt und lustsinnig das dadaistische Organon zum musikalischen Klangereignis macht - berührend, anregend, verblüffend und begeisternd. Hugo Balls Klanggedichte - Seepferdchen und Flugfische - werden lebendig.
Zum Ballschen Freundeskreis zählen Künstler wie Hans Arp und Tristan Tzara. Kurt Schwitters schwingt mit konkreter Sonatenkunst herein und russische Futuristen geben Anregungen. Der Maler Kandinsky vermittelte die Kunst, mit Silben, Lauten und Geräuschen zu dichten und zu singen.
Das Klavier ist dabei. Zu Dada-Soireen erklang Feinsinniges von Schönberg und Arthur Lourié, aus der italienischen Ecke die Heiterkeit des Militärmarsches für Ameisen. Gesangskunst wird mit neuen Kreationen offenbar: John Cage entwirft die Arie, Mauricio Kagel das Halleluja. Georges Aperghis rezitiert witzig, Cathy Berberian karikiert die Radioreporterin.
Über die Interpeten:
Das Ensemble EXVOCO: Grenzgänger: Musik, Sprache, Theater. Sprache ist musikalische Ausdrucksform, Stimme szenisches Element. Ihr Klang wird ausgelotet. Neue Vokalmusik, Lautpoesie, Improvisation. Weltweite Tourneen. Prix Futura der ARD: Hörspiel "hören und sehen vergehen" von Franz Mon.
Angelika Meyer: Stimmkünstlerin. Studium Sprecherziehung, Gesang (Stuttgart). Projekte "Neues Musiktheater", Vokalmusik, Lautpoesie, Organisation Stimmkunst-Projekte. Dozentin Pädagogische Hochschule Schwäbisch-Gmünd.
Frank Wörner: Bass-Bariton. Studium Schulmusik (Stuttgart), Alte Musik (Basel). Opern- und Konzertsänger. Gefragter Interpret Neuer Musik. Lehrtätigkeit Musikhochschule Stuttgart. Gastdozent u.a. in Paris, Warschau, Harvard.
Ewald Liska: Konzertsänger. Musikredakteur SWR. Akustische Studien. Promotion, Habilitation in Physik. Gründung EXVOCO. Inszenierungen Futurismus, Dadaismus. Programmchef "Europäische Kirchenmusik Schwäbisch Gmünd".
Urs Liska: Studium Freiburg (Klavier, Musiktheorie, Musikwissenschaft). Meisterklasse Liedgestaltung Irwin Gage. Klaviersolist bei Opern und Neuer Musik. CDs, Deutschlandradio: Lieder Schönberg, Oskar Fried.
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