Mit einem Vortrag von Ausstellungskurator Dr. Bernd Braun wird am Mittwoch, dem 8. Juni 2011 um 19 Uhr die Wanderausstellung "Die Reichskanzler der Weimarer Republik" im Foyer des Landesbibliothekszentrums (LBZ) in Speyer eröffnet. In Zusammenarbeit mit der Hambach-Gesellschaft für historische Forschung und politische Bildung e.V. zeigt das LBZ eine Wanderausstellung der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte, Heidelberg.
Zwischen der Eröffnung der Nationalversammlung in Weimar am 6. Februar 1919 und der Machtergreifung Hitlers am 30. Januar 1933 haben zwölf Reichskanzler die Weimarer Republik regiert. Aufgrund ihrer kurzen Kanzlerschaften sind sie heute weitgehend in Vergessenheit geraten. Dabei sagt die Kürze oder Länge einer Amtszeit grundsätzlich nichts über die Qualität des Amtsinhabers aus. Die vielen Kanzlerwechsel der ersten deutschen Demokratie resultierten aus der äußerst schwierigen außen- und innenpolitischen Lage Deutschlands nach 1918. Die erdrückenden wirtschaftlichen, sozialen und mentalen Folgelasten des verlorenen Ersten Weltkrieges machten letztlich den Aufbau einer stabilen Demokratie unmöglich. Kein Kanzler konnte deshalb erwarten, sich im Buch der Geschichte mit einem Ruhmesblatt verewigen zu können.
Ziel der Ausstellung soll es sein, diese zwölf Männer wieder im kollektiven Gedächtnis der Nation zu verankern. Sie will den vergessenen Kanzlern Gesicht und Stimme zurückgeben. Sie erhebt bewusst nicht den Anspruch, eine umfassende Darstellung der Geschichte der Weimarer Republik zu liefern. Sie konzentriert sich auch nicht auf die jeweils sehr kurzen Kanzlerschaften, sondern präsentiert die Gesamtbiographien von Philipp Scheidemann, Gustav Bauer, Hermann Müller, Constantin Fehrenbach, Joseph Wirth, Wilhelm Cuno, Gustav Stresemann, Wilhelm Marx, Hans Luther, Heinrich Brüning, Franz von Papen und Kurt von Schleicher. Da Erinnerung und Erinnerungskultur in unserem visuellen Zeitalter hauptsächlich mit optischen Eindrücken verbunden sind, wirkt die Ausstellung in erster Linie über die Fotografien. Dabei wurde besonders auf die Qualität der historischen Vorlagen und deren Wiedergabe geachtet. Zahlreiche Fotos, die aus dem Besitz von Kindern und Nachfahren der Reichskanzler stammen, sind zum ersten Mal in der Öffentlichkeit zu sehen. Über 750 Fotos von rund 65 Leihgebern aus Deutschland, Österreich, Dänemark, Schweden, der Schweiz und den Niederlanden zeigen die Gemeinsamkeiten, aber auch die gravierenden Unterschiede in den Lebensläufen dieser zwölf Kanzler auf. Sie spiegeln Höhen und Tiefen der deutschen Geschichte vom Kaiserreich bis in die Bundesrepublik Deutschland wider.
Dr. Bernd Braun, Jg. 1963, Studium der Mittleren und Neueren Geschichte, der Germanistik und Politikwissenschaft, seit 1990 Museumspädagoge, seit 1999 Wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Reichspräsident-Friedrich-Ebert-Gedenkstätte in Heidelberg, Lehrbeauftragter an der Universität Heidelberg, Kurator der Reichskanzler-Ausstellung.
Die Hambach-Gesellschaft für historische Forschung und politische Bildung e.V. wurde vor 25 Jahren von engagierten und interessierten Unterstützern der 150-Jahr-Feier des Hambacher Festes von 1832 gegründet – Privatpersonen wie auch Institutionen. Ihr Ziel ist es, an das Hambacher Fest und seine Ziele zu erinnern: Die europäische Einigung, eine dauerhafte Friedenssicherung und eine gerechte Sozialordnung sind nicht die Ergebnisse eines abgeschlossenen historischen Prozesses, sondern müssen erinnert, gelebt und immer wieder von Neuem erkämpft werden. Am 8. Juni 1986 fand das erste Treffen statt, am 2. November im selben Jahr wurde die Gründungsurkunde der Hambach-Gesellschaft unterzeichnet.
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