
Heute stellte das LBZ in Speyer die am 19. April 2011 ersteigerten Briefe Albert Schweitzers an den Speyerer Theologen Emil Lind der Presse vor. Für die Finanzierung konnten in erheblichem Maße Spenden von Stiftungen, Vereinen und Privatleuten eingeworben werden.
Bei einer Auktion des renommierten, auf Autographen spezialisierten Berliner Auktionshauses Stargardt erhielt das Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz am 19. April 2011 den Zuschlag für ein Briefkonvolut von Albert Schweitzer (1875-1965) einschließlich umfangreicher Beilagen. Es handelt sich um die Korrespondenz Schweitzers und seiner Mitarbeiter mit dem Speyerer Theologen Emil Lind (1890-1966).
Albert Schweitzer wurde in Kaysersberg im Oberelsass geboren und wuchs unweit davon in Günsbach (frz. Gunsbach) auf. Er studierte in Straßburg, Paris und Berlin, promovierte 1899 in Philosophie und im Folgejahr in Theologie. Nach seiner Habilitation 1901 lehrte er bis 1911/12 als Privatdozent an der Universität Straßburg. 1905 begann er daneben mit dem Studium der Medizin, das er 1913 ebenfalls mit der Promotion abschloss. In seiner Straßburger Zeit entstanden wichtige Werke zur Theologie, zur Orgelbaukunst und zu Johann Sebastian Bach. 1912 gab Schweitzer seine akademische Laufbahn auf und begründete 1913 ein Tropenhospital in Lambaréné im heutigen Gabun. Nach Kriegsbeginn interniert, konnte er diese Arbeit erst ab 1924 fortsetzen. 1953 wurde ihm der Friedensnobelpreis für das Jahr 1952 verliehen. In seiner Dankesrede 1954 in Oslo ächtete er den Krieg aus humanitären Gründen. Ab 1957 warnte er vor der atomaren Gefahr und engagierte sich gegen die nukleare Aufrüstung. Gegen Ende seines Lebens sah er sich Angriffen afrikanischer Nationalisten ausgesetzt, die ihm patriarchalisches und postkoloniales Verhalten vorwarfen.
Emil Lind wurde im pfälzischen Schwegenheim geboren und studierte von 1909 bis 1913 Theologie in Heidelberg, Halle, Straßburg und Utrecht, teilweise als Schüler von Albert Schweitzer, was den Grundstein für ihre spätere Freundschaft legte. 1925 übernahm Lind eine Pfarrei in Speyer. Von 1930 bis zu ihrem Verbot 1936 gab er hier die Zeitschrift ‚Der Speyerer Protestant’ heraus. Während des Dritten Reiches bemühte er sich um eine Synthese von Protestantismus und Nationalsozialismus, was ihn mit beiden Seiten in Konflikt brachte und letztlich zu seiner Pensionierung 1946 führte. In der Folge betätigte sich Lind als kulturhistorischer literarischer Publizist. Im Zentrum seiner Arbeit stehen Monographien und Aufsätze über Schweitzer und seine Tätigkeit in Lambaréné, die er auch durch die Einwerbung von Spenden nachhaltig unterstützte. Auch bei dem Kampf gegen Atomwaffen stand Lind an Schweitzers Seite. Das Landesbibliothekszentrum bewahrt diesen Teil seines Nachlasses auf, während der sich der theologische Teil im Besitz des Zentralarchivs der Evangelischen Kirche der Pfalz in Speyer befindet.
Die Briefe von Albert Schweitzer an Emil Lind reichen von 1928 bis 1936 und von 1946 bis 1965; sie enden etwa drei Monate vor Schweitzers Tod. Insbesondere die Schreiben der Nachkriegszeit sind Zeugnisse einer engen Freundschaft. Im Zentrum der Korrespondenz stehen die von Lind verfassten Biographien, die Arbeit in Lambaréné und die Werbung dafür insbesondere in der Pfalz, in Baden und im Elsass. Dies wird ergänzt durch Berichte von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern Schweitzers aus Gabun und Günsbach. Ebenfalls zu diesem Konvolut gehören Fotografien, die einen Besuch der Speyerer Albert-Schweitzer-Kameradschaft im August 1954 in Günsbach bei Albert Schweitzer dokumentieren und vorzügliche Aufnahmen des Nobelpreisträgers enthalten.
Die Erwerbung geht auf eine Anregung des ehemaligen Speyerer Oberkirchenrates Dr. Klaus Bümlein zurück. Wie groß das öffentliche Interesse an diesem Material ist, zeigt die Tatsache, dass sich neben dem Landesbibliothekszentrum, bei dem die Federführung beim Erwerb lag, an der Finanzierung die Sparkassenstiftung der Kreis- und Stadtsparkasse Speyer, die Kulturstiftung der Stadt Speyer, der Rotary Club Speyer sowie zwei Privatleute beteiligt haben. Zu danken ist auch den Kollegen der Staatsbibliothek zu Berlin – Preußischer Kulturbesitz, die das Landesbibliothekzentrum bei der Versteigerung in bewährter Weise persönlich vertreten haben.
Der konservatorische Zustand der Briefe ist sehr unterschiedlich. Insbesondere die Briefe aus Gabun auf Luftpostpapier, bei denen es sich um den wertvollsten Teil der Korrespondenz handelt, sind im Moment nicht benutzbar und müssen im Landesbibliothekszentrum restauriert werden. Nach der konservatorischen Sicherung des Materials wird es der Öffentlichkeit in angemessener Form präsentiert werden.
Umfang des Konvoluts:
- Autographen von Albert Schweitzer: 29 Briefe mit Umschlag und 1 Billet mit Umschlag (über 50 Seiten insgesamt).
- Autographen von sieben Mitarbeiter/innen von Albert Schweitzer: 45 Briefe und Postkarten.
- 36 Fotografien, die Schweitzer u.a. mit Emil Lind und Speyerer Besuchern in Günsbach zeigen.
- Ein Schriftstück von fremder Hand.
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