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18.11.2009 | Landesbibliothekszentrum, Pfälzische Landesbibliothek, Vortrag

Die Mühen und Früchte der friedlichen Revolution

Der Vortrag von Lothar de Maizière zu 20 Jahre Fall der Mauer und deutscher Vereinigungsprozess lockte annähernd 400 Gäste in das Foyer der Pfälzischen Landesbibliothek.

Am 9. November 1989 fiel in Berlin die Mauer. Anlässlich dieses Jahrestags lud das Landesbibliotheks-zentrum Rheinland-Pfalz gemeinsam mit dem Historischen Verein der Pfalz und der Landeszentrale für Politische Bildung Rheinland-Pfalz Lothar de Maizière zu einem Vortrag am 17. November nach Speyer ein. Er war vom 12. April bis 2. Oktober 1990 der erste demokratisch gewählte und zugleich letzte Ministerpräsident der Deutschen Demokratischen Republik und damit ein unmittelbarer Zeitzeuge der Vorgänge, die vom Fall der Berliner Mauer zur deutschen Einheit führten.

Annähernd 400 Gäste waren gekommen, um Lothar de Maizière im Foyer der Pfälzischen Landesbibliothek zu erleben. Darunter befanden sich neben Oberbürgermeister Werner Schineller , Minister a.D. Dr. Georg Gölter, den Landtagsabgeordneten Rosa Grünstein (MdL BW) und Dr. Axel Wilke (MdL RP) auch zahlreiche Schülerinnen und Schüler aus Speyer, Neustadt und Ludwigshafen. Nach der Begrüßung durch den Direktor des Landesbibliothekszentrums, Dr. Helmut Frühauf, und dem Vorsitzenden des Historischen Vereins der Pfalz, Werner Schineller, folgten die Gäste Lothar de Maizière in die Zeit vor 20 Jahren.

In einem spannenden und auch amüsanten Vortrag schilderte er die Vorgänge in der DDR und den anliegenden Ostblockstaaten, die zu einem Aufbegehren der Bevölkerung und zu den Demonstrationen im Herbst 1989 führten. Im Dezember 1989 gründete sich der zentrale Runde Tisch, an dem ein Querschnitt der Bevölkerung vertreten war. Alle hatten keine Ahnung von Politik, hegten unterschiedliche Vorstellungen von der Zukunft ihres Staates, aber verfolgten  ein gemeinsames Ziel: die Abwahl der bisherigen Regierung und ein völlig neues politisches System. Lothar de Maizière schilderte in amüsanten Bildern das Chaos jener Anfangszeit. Er betrachtete es als seine Aufgabe, Ordnung zu schaffen, und erarbeitete   eine Geschäftsordnung. Dies veranlasste seine Töchter zu der Bemerkung, dass er als typischer Jurist der Einzige sei, der während einer Revolution an eine Geschäftsordnung denke.

Weitere Themen waren die ersten demokratischen Wahlen seit 1932 (!) auf dem Gebiet der DDR am 18. März 1990, die Arbeit der Regierungskoalition und der Volkskammer, die Schwierigkeiten, von Grund auf neue Strukturen in allen Bereichen von Politik, Recht, Wirtschaft, Sozialem, Ausbildung und Beruf zu schaffen, die Gründe für die frühe Währungsreform und der Weg zur deutschen Einheit. Das komplexe Thema bereitete Lothar de Maizière anschaulich und nachvollziehbar auf, mit immer wieder eingestreuten kleinen Anekdoten und einer Prise Selbstironie.

Ein großes Problem seien die vielen unterschiedlichen Hoffnungen und Erwartungen der DDR-Bürger gewesen. Gerechtigkeit für alle war eine Utopie, die auch nach dem Mauerfall nicht Realität wurde. Es gibt echte Verlierer der friedlichen Revolution von 1989, daran ließ Lothar de Maizière keinen Zweifel. Die lauter werdenden Zweifel mancher ehemaliger DDR-Bürger an den Vorteilen der Demokratie, das Gefühl, durch den Beitritt "untergebuttert" worden zu sein, und die Sehnsucht nach einer "besseren" DDR seien genau darauf zurück zu führen. Er stellte jedoch die Gegenfrage: Wollten die Menschen heute noch in der DDR leben? Er war sich sicher, dass dies für niemanden wirklich eine Alternative sei. Nach 20 Jahren deutscher Einheit sei einerseits viel erreicht. Ein Herzenswunsch von Lothar de Maizière ist andererseits, dass die Westdeutschen ehrlich und neidlos das Verdienst der Ostdeutschen bei der friedlichen Revolution als wichtigen Beitrag zur deutschen Einheit anerkennen.  Er rief dazu auf, in Ost und West den Gedanken der deutschen Einheit immer wieder von Neuem mit Leben zu füllen.

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