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29.07.2009 | Landesbibliothekszentrum

Neuankäufe aus dem Nachlass von J. G. A. Wirth

von links: Dr. Helmut Frühauf, Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, Dr. Christof Müller-Wirth, Dr. Armin Schlechter

Das Landesbibliothekszentrum Rheinland-Pfalz konnte unlängst zwei wichtige Materialien erwerben, die auf den Publizisten und Vormärzpolitiker Johann Georg August Wirth (1798-1848) zurückgehen. Heute wurden die Ankäufe auf einer Pressekonferenz in Anwesenheit von Kultur-Staatssekretär Prof. Dr. Joachim Hofmann-Göttig, dem Direktor des Landesbibliothekszentrum, Dr. Helmut Frühauf, und einem Nachfahren Wirths, Dr. Christof Müller-Wirth vorgestellt.

Es handelt sich um 67 Briefe der Jahre 1833 bis 1837, die er aus der Haft an seine Ehefrau Regina schrieb, sowie um das persönliche Exemplar der von ihm herausgegebenen Zeitung 'Deutsche Tribüne'.

Der 1798 in Hof geborene Wirth studierte Rechtswissenschaft und arbeitete ab 1823 als Advokat. Um 1830 wandte er sich dem Journalismus zu und gab in der Folge mehrere Zeitungen heraus. Die wichtigste Publikation war die 'Deutsche Tribüne', eine der wirkmächtigsten Zeitungen im Vormärz überhaupt.

Wirth war einer der Organisatoren des Hambacher Festes, in dessen Verlauf er am 27. Mai 1832 eine vielbeachtete Rede hielt. Nach seiner Verhaftung im Juni wurde er von dem Vorwurf zur direkten Aufforderung zum Umsturz zwar freigesprochen, aber wegen Beamtenbeleidigung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Nach seiner Freilassung 1836 floh er ins französische Exil.

Die 67 Briefe stammen überwiegend aus der Haftzeit in Kaiserslautern und sind sicherlich zensiert, weshalb politische Reflexionen fehlen. Diese Schreiben haben jedoch einen hohen Quellenwert für die Persönlichkeit Wirths und seinen Umgang mit der Haftzeit. Neben Versicherungen des Wohlergehens finden sich hier Aussagen zur Ausbildung der Kinder, zu Lektüren, Arbeitsplänen und vielem anderem mehr. Weiter lassen die Briefe das dichte persönliche Beziehungsgeflecht Wirths erkennen, durch das er in dieser Zeit große Unterstützung erfuhr.

Die 'Deutsche Tribüne' erschien von Mitte 1831 bis zum 21. März 1832; danach wurde sie von den Behörden unterdrückt. Ihr Hauptziel war der Kampf für ein konstitutionelles Deutschland. Wirth begründete das Blatt in München und verlegte es Ende 1831 in das liberalere Rheinbayern. Vollständige Exemplare der Zeitung sind heute sehr selten.

Das Handexemplar der 'Deutschen Tribüne' sowie die 67 Briefe aus dem Gefängnis wurden bis vor kurzer Zeit von Nachkommen von Johann Georg August Wirth bewahrt. Das Landesbibliothekszentrum konnte diese Materialien direkt oder indirekt von ihnen erwerben. Der überwiegende Teil der Kaufsumme wurde von der Stiftung Rheinland-Pfalz für Kultur übernommen. Zu Recht, wie der Leiter des Sachgebietes Handschriften, Alte Drucke und Nachlässe, Dr. Armin Schlechter, meinte: "Wenn man es pathetisch ausdrücken möchte, handelt es sich um nationale Reliquien der deutschen Demokratiegeschichte."

Diese überaus wertvollen Neuerwerbungen runden den umfänglichen Bestand der Pfälzischen Landesbibliothek zur Vormärzzeit und zur Revolution 1848/49 ab. Dieser Sammelschwerpunkt wurde hier seit jeher in besonderem Maß gepflegt. Die Neuerwerbungen sollen im Jahr 2010 im Zentrum einer Ausstellung zu dieser Zeit stehen.

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